
Ich erhielt eine Glückwunschkarte zu meinem Namenstag. Schlicht, mit einer zarten Zeichnung von Wildblumen. Ohne Unterschrift.
Ein paar Worte – „Alles Schöne“ – mit einem Füllfederhalter geschrieben, leicht geneigt, schmerzhaft vertraute Handschrift. Mein Herz schlug schneller. Ich wusste es. Ich wusste einfach, dass er es war.
Auf dem Küchentisch lag die Karte wie eine stumme Frage. Wie viele Jahre waren seit unserem letzten Treffen vergangen? Seit jenem Tag, an dem er fortgegangen war, den Koffer gepackt, ohne eine einzige Erklärung. Ich hatte mir geschworen: Wenn er zurückkommt, werde ich ihn nicht so einfach hineinlassen.
Und jetzt hielt ich ein Stück Papier in den Händen, das nach Erinnerungen roch. Und meine Versprechen begannen zu schmelzen.

Ich trat auf den Balkon. Die Abendluft war kühl, roch nach nassem Asphalt. In der Ferne rauschte die Stadt, und in meinem Kopf klang seine Stimme – tief, leicht heiser. Ich wusste, dass er zurück war.
In den nächsten Tagen lebte ich wie im Traum. Bei der Arbeit ertappte ich mich dabei, wie ich zum Fenster hinaussah. Abends blätterte ich durch alte Fotos, die ich einst in einer Schublade versteckt hatte.
Eine Woche später, auf dem Samstagmarkt, sah ich ihn. Er stand mit dem Rücken zu mir an einem Honigstand. Als er sich umdrehte, trafen sich unsere Blicke. Grau an den Schläfen, tiefe Falten, aber immer noch dasselbe Lächeln.
— Ich dachte, du würdest mich nicht bemerken, sagte er.
— Dich übersieht man schwer, antwortete ich.

Wir setzten uns auf eine Bank. Er erzählte, dass er zurückgekommen sei, um alte Angelegenheiten zu klären. Dass er in Gedanken immer wieder hierher zurückgekehrt sei. In die Stadt. Zu mir. Als er vorschlug, uns wiederzusehen, tat ich so, als würde ich nachdenken. Aber in meinem Herzen wusste ich die Antwort bereits.
Einige Tage später trafen wir uns in demselben Café, in dem er vor dreißig Jahren zum ersten Mal meine Hand genommen hatte. Alles war gleich – der Spiegel an der Wand, die Tische. Nur wir hatten uns verändert.
Am Abend kam ich nach Hause. Auf dem Tisch lag die Karte. Ich strich mit den Fingern über das raue Papier und verstand: Diese Buchstaben sind wie er. Echt, nicht perfekt, aber vertraut.
Ich wusste, dass unsere Geschichte gerade erst ihr zweites Kapitel zu schreiben begann. Und diesmal wollte ich, dass es schön wird.







